Die Drascombe-Regatta auf dem Vareler Watt


Kurz nach dem Start. Klik voor vergroting Als ich am 5. juli von meinem Segelurlaub im Blackwaterrevier zurückkam, berichtete meine Tochter von einer Drascombe-Flotte im Dangaster Hafen. So erfuhr ich, daß die Riddle of the Sands-Expedition ihr Ziel erreicht hatte.

Am Abend meldete sich Kurt Mross telefonisch bei mir und bestätigte den guten Verlauf der letzten Etappe von Juist nach Varel.

Kurt Mross hatte auch wichtige Vorbereitungen für die Regatta erledigt, so hatte er das Boot von Jürgen Töns als Startschiff zugesagt bekommen, die Liste der teilnehmenden Boote mit den Namen der Besatzungen lagen vor und auch die erforderlichen Signalflaggen waren vorhanden. Die restlichen Arbeitsmittel der Wettfahrtleitung stellte ich dann zusamrnen.

Am 7. Juli legte sich das Startschiff rnit Jürgen Töns, seiner Freundin Karin und mir bei der 25. Pricke des Vareler Fahrwassers an die Steuerbordseite der Startlinie. lch notierte: Wind: Süd, Wetter: bedeckt, dunstig, Windstärke: 4 Bft, Start: 14.00 Uhr. Der Start verlief trotz des fast achterlichen Windes glatt, offensichtlich hatten wir bei der Steuermannsbesprechung alle offenen Fragen geklärt.


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Es starteten 5 niederländische Boote, dann Butterfly mit Kurt und Regina, weiter Herr Rahmann, ein Vereinskamerad von Kurt Mross, mit einer Leisure 23 und schließlich unser Vereinslugger Kormoran mit den Claas Wilken und Ole Wilksen.

Einige Boote starteten sehr gut und passierten die Startlinie bereits kurz nach dem Startsignal. Nach einer Minute befanden sich dann alle Teilnehmer auf dem Regattakurs. Da wir keine Gelegenheit zum Legen einer Boje als 1. Wendemarke hatten, vereinbarten wir, daß ein Mitglied der Besatzung den gelben Südostmarkierungspfahl des Robbenschutzgebietes mit der Hand, einem Riemen oder dem Bootshaken berühren sollte.

Von diesem Punkt ging es dann am Wind ungefähr Kurs WSW zum Dalben auf dem Vareler Watt. Offensichtlich hatte der Wind auf 5 Bft. aufgefrischt, denn alle Teilnehmer lagen ungefähr in Kiellinie hart auf der Steuerbordseite und berichteten nach der Regatta, sie hätten fortlaufend Spritzwasser auspumpen müssen.

Nach dem Runden des Dalbens mußte auf der letzten Teilstrecke gekreuzt werden, lange Schläge mit Steuerbordwind und kurze mit Backbordwind. Mit bedeutendem Vorsprung ging Michel Maartens mit "Yraida" nach ungefähr einer Stunde als erster über die Ziellinie.


Die Ergebnisse wertete ich dann folgendermaßen aus:

Bootsname Steuermann/
crew
Uhrzeit des
Zieldurchgangs
gesegelte Zeit
in Sekunden
Yardstickzahl berechnete
Zeit
Platz
Yraida Michel Maartens 15:00.05 3605 135 2670 1.
Kormoran Claas Wilken /
Ole Wilksen
15:02.02 3722 135 2757 2.
Butterfly Kurt Mross /
Regina Rosenkranz
15:02:37 3757 135 2783 3.
Olle Chris van den Broek 15:03.53 3833 135 2839 4.
Salino
(Leisure 23)
Herr Rahmann
und Sohn
15:04:17 3857 123 3136 8.
White Seal Frans Schaake /
Margot Schaake
15:04.20 3860 135 2859 5.
Windroos Fred Roos /
Els Roos
15:05:05 3905 135 2893 6.
Midi Eugène van Corstanje 15:09:16 4156 135 3079 7.


Flaggensignale und Startverfahren, NKDE-Regatta. Klik voor vergroting Zunächst noch eine kurze Erklärung zur Auswertung in dieser Tabelle:
In der DSV-Yardstickliste finden sich z.B. folgende Yardstickzahlen:
Drascombe Lugger mit 135 und die niederländische VB-jolle mit 122. Je schneller ein Bootstyp segelt, desto kleiner ist seine Yardstickzahl. An den Zahlen kann man bereits abschätzen, wieviel schneller die VB-jolle im Vergleich zum Lugger ist.

Angenommen auf einer Regatta benötigt eine VB-jolle eine Zeit von 4000 Sekunden und ein Lugger eine von 4400 Sekunden. Dann gelangt man folgendermaßen von der gesegelten zur berechneten Zeit:
           4000 :(122/100) oder 4000 : 1,22 ergibt gerundet 3279,
   und 4400 :(135/100) oder 4400 : 1,35 ergibt gerundet 3259.
Der Lugger liegt also nach berechneter Zeit vor der VB-jolle.

In der Tabelle wurden die Drascombe-Boote mit der Yardstickzahl 135 bewertet, weil nach unseren Erfahrungen der Unterschied zwischen Lugger und Coaster nur gering ist. Wie die Beispiele zeigen wurde folgendermaßen gerechnet:

Gesegelte Zeit : 1,35 = berechnete Zeit (bei der Leisure 23 wurde durch 1,23 geteilt).

Es gibt natürlich recht sichere Yardstickzahlen und auch vorläufige Werte. Aufgrund der praktischen Erfahrungen erfolgt regelrnäßig eine Überprüfung und Anpassung durch die Seglerverbände.

Nun zurück zu den Ergebnissen unserer Regatta:

Eine Ergebnisliste gibt immer Anlaß zu Vergleichen, Diskussionen, Kommentaren und Ideen, was beim nächsten Mal noch besser gemacht und wie man selbst noch erfolgreicher segeln könnte. Als Leiter der Regatta fiel mir die sehr sichere Handhabung der Boote und die sportliche Haltung aller Segler auf. Alle Boote zeigten professionelles Segeln. Mit beinahe 2 Minuten Vorsprung nach gesegelter Zeit liegt Michel Maartens auf dem ersten Platz. Die zwei Vareler Boote zeigen, daß die Revierkenntnis eine erhebliche Bedeutung hat. Unsere ehemaligen Jugendmitglieder Claas und Ole zeigten in der Regatta ihre über 10-jährigen Segelerfahrungen in Optimisten-, Mirror- und 420er-Jollen und im Jugendkutter. Ihr guter Platz ist kein Zufall sondern das Ergebnis langjähriger Erfahrung. Ihr Ergebnis zeigt auch, dag gerade der Lugger ein hervorragendes Boot für Segler in diesem Alter ist. Eine besondere Anerkennung verdienen die Einhandsegler Michel Maartens, Chris van den Broek und Eugène van Corstanje genauso wie Margot Schaake und Els Roos als seetüchtige Allroundkräfte. Die Regattaergebnisse wurden nach der Regatta am Liegeplatz der Boote im Hafen bekanntgegeben und mit einem Erinnerungsgeschenk für jedes teilnehmende Boot gewürdigt. Bei einein gemeinsamen Essen am Vareler Hafen, zu dem wir Vareler von unseren niederländischen Freunden eingeladen wurden, fand der Tag einen harmonischen Ausklang.

Als Wettfahttleiter bedanke ich mich bei allen Teilnehmern für ihre Aufgeschlossenheit und Fairness.