De Dulcibella Cruise Sommer 2001
von Juist nach Varel am Jadebusen.

Geplant war ein Treffen mit den Teilnehmern der Dulcibella-Tocht im Gebiet von Schiermonnikoog –Lauwersoog um von dort gemeinsam Richtung Osten in das Deutsche Wattenmeer zu segeln.


De vloot bij Juist. Klik voor vergroting

Leider konnten wir aus beruflichen Gründen erst am Montag, den 25.6.01 gegen Mittag von Varel aus starten. Ein Freund fuhr uns mit dem Trailer-Boot-Gespann zum Hafen von Norddeich. Butterfly wurde zu Wasser gelassen. Die Trailerrampe (Helling) in Norddeich ist gut befahrbar und auch sehr breit. Sie wird auch von Landungsbooten zur Versorgung von Juist und Norderney benutzt. Telefonisch wurde Juist als Treffpunkt mit der Drascombeflotte am Dienstag, den 26.6.01 vereinbart.

Am Dienstagmorgen um 03.30 legten wir in Norddeich ab (HW Juist ca. 04.00). Es war windstill und leicht diesig/Morgennebel. Wir fuhren durch das Busetief, querten das Memmert-Wattfahrwasser und fädelten uns ins Juister Wattfahrwasser ein. Gegen 06.00 erreichten wir den Hafen von Juist. Ca. 500 m östlich vom Hafen ankerten wir auf Sandwatt. Die Insulaner haben in dem Bereich auch Bojen für Ihre flachgehenden Boote ausgelegt. Am Nachmittag erschien im Westen mit der Flut die erste Drascombe, es war die Windroos mit Els und Fred Roos. Nach und nach trafen alle Boote ein, Yraida mit Michel Maartens, der prinzipiel ohne Motor fährt (er hat keinen dabei). Olle mit Chris van den Broek, Midi mit Eugène van Corstanje und White Seal mit Margot und Frans Schaake. Die Boote gingen längseits und wir bildeten ein grosses Päckchen. Jeder kochte etwas für das gemeinsame Abendessen, eine gute Idee. Eugène hatte noch leckere Herzmuscheln (Kokkels) von Simonszand, die Chris auf seinem Turbokocher zubereitete.

Chris überreichte mir feierlich die Admiralsflagge. Nun war es meine Aufgabe die Flotte durch das ostfriesische Wattenmeer zu führen und unsere bewährten Ankerplätze von früheren Reisen aufzusuchen. Der Wetterbericht für Mittwoch, den 27.6.01 hörte sich nicht gut an. Es wurden schwere Gewitterboen bis stärke 10 aus SW vorhergesagt. Wir beschlossen den Mittwoch auf Juist zu verbringen. Es wurden Einkäufe getätigt, Spaziergänge gemacht, der Inselfriseur wurde aufgesucht, jeder erledigte wichtige Dinge. Zum Glück blieben die Inseln von den schweren Gewitterboen verschont, aber vom nahen Festland wurden schwere Schäden vom Unwetter gemeldet.


First light. Klik voor vergroting

Am Donnerstag, den 28.6.01 ging es um 04.00 ankerauf mit Ziel Hilgenriedersiel. Es wehte schwachwindig aus SW. Die Segelei im Tiedenrevier erfordert manchmal eben unchristliche Abfahrtszeiten, aber es ist auch eine schöne Erfahrung in den neuen Tag hineinzusegeln. Der Vorteil von unseren flachgehenden Booten besteht auch darin ab einem gewissen Wasserstand im Watt Abkürzungen zu fahren. Man ist nicht an den Wattfahrwassern gebunden. Wir segelten in Richtung Osten durch das Juister Wattfahrwasser, querten das Memmert-Wattfahrwasser und das Busetief, segelten bei schlechter werdender Sicht durch die Osterriede ins Wagengatt und von dort auf direktem Weg zum Ankerplatz vor Hilgenriedersiel. Gegen 08.00 gingen wir auf dem Watt vor Hilgenriedersiel in der freien Zone vor Anker. Einen Sielhafen im normalen Sinn gibt es nicht mehr. Der Hafen wurde schon vor Jahrzehnten im zuge der Deicherhöhung geschlossen. Das Watt besteht aus hartem Sand und ist gut begehbar. Nach einem zweiten Frühstück waren die Boote trockengefallen und wir konnten unseren Spaziergang ins Dorf beginnen.


De vloot bij Hilgenriedersiel. Klik voor vergroting In der Dorfkneipe gab es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Wir waren die einzigen Gäste und wurden trotz unserer Gummistiefel, die mit Schlickresten behaftet waren, bedient. Geplant war um 17.00 mit dem ersten Wasser zur Insel Baltrum zu segeln. Der Wind drehte auf NW mit Stärke 5-6, dadurch kam das Wasser wesentlich schneller und wir lagen auf Legerwall. Wir verlegten die Abfahrtszeit auf 16.30. White Seal, Windroos und Butterfly segelten unter Fock und Besan (Druil) , Yraida, Olle und Midi folgten etwas später unter Fock, Besan und gerefften Grosssegel in Richtung Norderneyer Wattfahrwasser. Gegen 18.00 ankerten White Seal, Windroos und Butterfly südlich vom Baltrumer Dorf auf hartem Sandwatt, ein schöner Platz. Midi, Olle und Yraida segelten noch durch das Seegatt Wichter Ee um östlich der Othelloplate Makrelen zu angeln. Eugène kam als letzter zurück zum Ankerplatz gesegelt und hatte tatsächlich zwei Makrelen gefangen. Das Wasser war schon weit abgelaufen. Mit gemeinsamer Kraft schoben wir Midi durch das letzte Wasser zum Ankerplatz. Abends gemeinsamer Umtrunk, Chips und Käse.

Am Freitag, den 29.6.01 wurde erst mal ausgeschlafen. Die Insel wurde besichtigt, Lebensmittel wurden ergänzt, die Duschen wurden ausgiebig genutzt. Unser nächstes Ziel war die Insel Spiekeroog.
Baltrum. Klik voor vergroting Um 17.30 gingen wir mit dem ersten Wasser ankerauf, Kurs SE bis ins Baltrumer Wattfahrwasser, dann südlich des Vogelschutzgebietes nach Osten. Es war schwachwindig aus SW-W. Wir querten die Accumersielerbalje, segelten südlich an Langeoogs Hafen vorbei ins Langeooger Wattfahrwasser. An Langeoogs Ostende schlief der Wind ganz ein, wir begannen zu rudern. HW war auf Spiekeroog um 19.30. Der zunehmende Ebbstrom versetzte uns in Richttung Seegat Otzumer Balje. In einem Stromwirbel wurden wir im Kreis gedreht und konnten unter Ruderantrieb nur noch unzureichend vorankommen. Wir motorten das letzte Stück in Richtung Hafen Spiekeroog um vor dem Hafen auf der Ostkante der Zufahrt zu ankern. White Seal und Windroos folgten. Michel ruderte eisern an der Strömungskante in Richtung Hafen und hatte auf dem letzten Stück sogar noch etwas günstigen Wind bis zum Ankerplatz. Olle und Midi waren auch wegen Mangel an Wind und zunehmender Strömung Richtung Seegat Otzumer Balje getrieben und ankerten am Süderriff SW-lich der Tonne OB 7/LW 10. Die Verständigung über SMS-Nachrichten per Handy ist doch eine grosse Hilfe um Positionen usw. auszutauschen.

Samstag, der 30.6.01 begann mit einem Gewitter und Regenschauern. Olle und Midi trafen bei dem schlechten Wetter am Ankerplatz vor dem Spiekerooger Hafen ein. Während des Gewitters hatte ich meine Blitzableiter angebracht. 2 Kupferkabel mit 16 mm2 wurden von den Wanten ins Wasser gehängt. Regina fand das beruhigend. Man muss nur dran glauben, aber den Ernstfall möchte ich nicht an Bord erleben.

Das Gewitter verzog sich, das Wetter wurde wieder etwas besser und wir machten einen Spaziergang durch das schöne Inseldorf, sowie zum Nordstrand. Am Nordstrand besuchten wir das Muschelmuseum von Petra und Dieter, bekannte von Regina. Die Ausstellung besteht aus Schnecken, Muscheln, Korallen und Fossilien aus allen Meeren der Erde und ist sehr sehenswert. Nach einem kleinen Imbiss ging es zurück Richtung Hafen. Auf dem Rückweg besichtigten wir noch mit Margot und Frans die neue Inselkirche. Wir hatten gehofft im Hafenbereich eine Waschmaschine vorzufinden, aber es gab immer noch keine. Wir hörten das auf dem Zeltplatz am Westende der Insel vor einigen Tagen eine Waschmaschine in Betrieb genommen wurde. Der Zeltplatz liegt nur wenige Kilometer vom alten Anleger entfernt und ist gut zu Fuss zu erreichen. Mit dem Abendhochwasser segelten wir das kurze Stück zum alten Anleger von Spiekeroog. Olle und Windroos machten noch einen Abstecher nach Neuharligersiel und besichtigten den idyllischen Fischereihafen bevor Sie am alten Anleger eintrafen.


Der alte Anleger. Klik voor vergroting

Der alte Anleger ist seit 20 Jahren ausser Betrieb und verfällt allmählich. Die Gleisanlagen rosten vor sich hin, der Zahn der Zeit nagt an allem, nur ein alter Holzsteg ist noch benutzbar. Das Hafenbecken versandet von Jahr zu Jahr mehr und ist nur noch mit flachgehenden Booten zu erreichen. Der Anleger ist abseits jeglicher Zivilisation und hat bei Nacht etwas unheimliches. Wir beendeten den Abend mit einem gemeinsamen Essen auf den Gleisanlagen des alten Anlegers.

Sonntag, der 1.7.01 wurde unser grosser Wasch und Ruhetag. Die neue Waschmaschine vom Campingplatz wurde ausgiebig genutzt, es wurden Spaziergänge gemacht.

Am Montag, den 2.7.01 starteten wir um 08.45 mit Ziel Wangerooge. Wir segelten nach Osten mit wenig achterlichem Wind durch die Swinn, über die Michel Martensplate, querten das Seegatt Harle und segelten südlich des Wangerooger Hafens bis vor das Inseldorf. Wir ankerten wieder auf hartem Sandwatt, das Wasser war sehr klar. Bis die Boote trockenfielen wurde noch eine Kleinigkeit gegessen, anschliessend machten wir einen Spaziergang ins Inseldorf und zum Strand.


Wangerooge. Klik voor vergroting

Auf dem Rückweg bestiegen wir den alten Leuchtturm, der zum Museum umgebaut wurde. Vom Leuchtturm hatten wir eine wunderschöne Aussicht über das Revier, die Boote sahen von oben so klein und zierlich aus. Beim gemeinsamen Essen an Bord wurde beschlossen, das sich die Flotte teilt. Wir starteten mit dem ersten Wasser um 21.30. Die drei Einhandsegler von Yraida, Olle und Midi segelten nach Osten und ankerten bei den Pfahlresten von Wangerooge-Ost. Die drei Paare von Windroos, White Seal und Butterfly segelten nach SE, querten die Telegraphenbalje und erreichten über das neue Brack den Ankerplatz südlich von Minsener Oog bei den Kabeltonnen gegen 00.15.


Nassauhafen. Klik voor vergroting Am Dienstag, den 3.7.01 segelten Yraida, Olle und Midi durch die blaue Balje in die Aussenjade um Makrelen zu angeln, von dort um Buhne A Richtung SSE über die Jade in die Kaiserbalje, wo sie dann auch übernachteten. Nachts wurde es sehr windig aus SE. White Seal, Windroos und Butterfly segelten von Minsener Oog mit auflaufendem Wasser auf der Jade in Richtung Süden mit dem Ziel Nassaubrücke in Wilhelmshaven. Es war schwachwindig bis windstill, wir trieben mit der Strömung in Richtung SE, vorbei an Horumersiel und Hooksiel. Wir mussten rudern um nicht unter die weit in die Jade reichenden Tankerlöschbrücken zu treiben. Zu allem Überfluss wurde auf unserer Höhe ein einlaufender grosser Tanker mit 4 Schleppern gedreht und an die Brücke, in deren Höhe wir uns befanden, geschleppt. Etwas mehr Wind wäre in dem Moment schön gewesen.

Kurz nach Mittag erreichten wir die Nassaubrücke in Wilhelmshaven. Fred fuhr mit dem Zug nach Lauwersoog um das Auto mit Trailer zu holen, er traf spät abends wieder ein. Die Brücke hebt und senkt sich mit der Tiede, der Tiedenhub beträgt bis zu 4 Meter, und die Strömung kann bis zu 4 Knoten laufen. Nach ausgiebigen Duschen und Garderobewechsel waren wir landfein. Zwischenzeitlich war auch unser Freund Jürgen Töns mit Mitsegler Jörg (Opstapper) auf seinem Cornish Crabber Touch Wood im Nassauhafen eingetroffen. Das Seglerheim an der Nassaubrücke hat eine gute Küche. Abends gingen wir gemeinsam ins Seglerheim und genossen die wohlschmeckenden Meeresspezialitäten.


Dangast. Klik voor vergroting Am Mittwoch, den 4.7.01 trafen die drei Einhandsegler morgens im Nassauhafen ein. Sie hatten in der Kaiserbalje eine unruhige Nacht verbracht. Jetzt war die Flotte wieder vereint und hatte sich sogar durch den Cornish Crabber auf sieben Boote vergrößert. Gegen 10.00 starteten wir mit Ziel Dangast. Dangast ist ein kleiner Künstlerort, aber im Sommer touristisch überlaufen. Die Bedingungen waren optimal, Raumschotskurs und die starke Strömung mit uns. Wir sausten fix übers Watt. Im Dangasterhafen wurde kurz festgemacht, anschließend ging es hoch am Wind übers Dangaster Außentief zum Leuchtturm Arngast, wo wir westlich des Steindammes ankerten und trockenfielen. Mit dem Nachthochwasser segelten wir über den Schweinsrücken ins Vareler Fahrwasser und ankerten im Vareler Tief.


Fahrwasser vor Wapelersiel. Klik voor vergroting Donnerstag, der 5.7.01. Mit dem ersten auflaufendem Wasser segelten wir den Prickenweg nach Süden mit Ziel Wapelersiel. In Wapelersiel befindet sich das Mündungsschöpfwerk der Flüsse Jade und Wapel. Das Fahrwasser vor Wapelersiel ist sehr interessant, man segelt durch das Deichvorland, durch die Salzwiesen. Bei Ebbe wirken die Prielkanten durch den hohen Tiedenhub von bis zu 4 Meter wie kleine Gebirgslandschaften. Auch die Vogelwelt ist sehenswert, wir sahen Brandgänse mit Ihren Kücken, Stockenten, Austernfischer, Fischreiher, usw. Von Wapelersiel ging es in Richtung Varelerhafen. Die Flotte teilte sich nochmals, die 3 Einhandsegler wollten noch eine Nacht im Watt verbringen und am nächsten Tag nach Varel einschleusen. Unsere Gruppe schleuste in den Varelerhafen ein und wir machten am heimatlichen Bootssteg fest.

Am Freitag, den 6.7.01 schleusten Midi, Olle und Yraida in den Varelerhafen ein, wir waren wieder komplett. Um 16.00 besichtigten wir das Museum „ Spijök" am Hafen. Es sind maritime Kuriositäten ausgestellt, z.B. ein russisches Atom U-Boot (Eigenbau), es gab viel zu lachen. Abends servierten Regina und ich in unseren Garten selbstgeräucherte Forellen für die Gruppe. Wir wohnen nur 400 m vom Hafen entfernt. Zum Abendessen kam auch Herr Oskar Bohlen. Herr Bohlen leitete die Regattavorbereitungen für die am Samstag um 14.00 stattfindende Drascomberegatta auf dem Vareler Watt. Die Steuermannsbesprechung war für alle sehr informativ und löste interessante Diskussionen aus. Über die Regatta wird Herr Bohlen noch berichten. Bei dem sommerlichen Wetter genossen alle den schönen Abend. Am Sonntag begann die Rückfahrt nach Holland für die meisten Teilnehmer mit dem Boot auf dem Trailer, nur Margot und Frans begannen die Rückfahrt auf eigenem Kiel.


selbstgeräucherte Forellen. Klik voor vergroting

Es war ein schönes Erlebnis.

Kurt Mross und Regina Rosenkranz Coaster Butterfly.

 

P.S. Wir starteten am 19.7.01 für eine Woche zum Alsfjord in Dänemark.

Aber das ist eine andere Geschichte.